Hotelleriesuisse schlägt Alarm und will mehr Unterstützung für die Beherbergungsbranche.

Branchenspezifisches Entschädigungspaket gefordert

Von der Covidpandemie stark betroffene Beherbergungsbetriebe sollen stärker unterstützt werden. Das fordert der Branchenverband Hotelleriesuisse in einem Papier. Für die Hotellerie müsse der Zugang zur Härtefallhilfe rasch verbessert und die Benachteiligung gegenüber anderen Branchen korrigiert werden.

Von Redaktion GRimpuls Mi, 27.01.2021

Mitten in der Winterhochsaison der Berggebiete müsse der Beherbergungssektor massive Einbussen in Kauf nehmen. Gleichzeitig sei die Lage in den städtischen Gebieten aufgrund der fehlenden internationalen Gäste und Geschäftstouristen bereits sei Monaten prekär, schreibt Hotelleriesuisse in einer Medienmitteilung.

«Wenn die Hotellerie weiterhin ihre wichtige Funktion in der Schaffung von Wertschöpfung und Arbeitsplätzen für ganze Regionen wahrnehmen soll, braucht es jetzt branchenspezifische Unterstützung», wird Andreas Züllig, Präsident von Hotelleriesuisse, in der Mitteilung zitiert. Hotelleriesuisse Graubünden unterstützt diese Forderungen vorbehaltlos, wie Jürg Domenig, Geschäftsführer von Hotelleriesuisse Graubünden, auf Anfrage von «GRimpuls» erklärt.

Hauptforderung von Hotelleriesuisse in einem 20 Punkte umfassenden Papier: Die Verlustgrenze für Härtefälle in der Hotellerie müsse von 40 auf 30 Prozent gesenkt werden. Zudem sollen die Härtefallbseiträge für die Hotellerie von 20 auf 30 Prozent des durchschnittlichen Jahresumsatzes 2018 und 2019 erhöht werden. Die aktuell vorgesehenen Beiträge seien unzureichend und würden Betrieben nur für kurze Zeit reichen, heisst es in der Mitteilung weiter. Zudem sollen die Bundesmittel für Härtefälle um 500 Millionen Franken zugunsten der Hotellerie erhöht werden.

Bei Hotelleriesuisse Graubünden geht man noch einen Schritt weiter. «Wir erachten die Umsatzeinbusse als nicht geeignete Grösse für die Bemessung der Härtefälle», sagt Domenig. Die richtige Bemessungsgrundlage sei die Einbusse des EBITDA.

Spartenabrechnung für Hotelrestaurants zulassen

Eine Korrektur verlangt Hotelleriesuisse auch in Bezug auf mögliche Spartenabrechnungen für Hotelrestaurants. Wenn ein Hotelunternehmen mit Restaurant die Verlustschwelle von 40 Prozent gesamthaft nicht erreiche, sei – je nach kantonaler Ausgestaltung – auch die Restaurationssparte von der Härtefallhilfe ausgeschlossen. Dies selbst wenn im Bereich Food and Beverage ein Umsatzrückgang von über 40 Prozent resultiere.

Dabei lasse die Verordnung eine Spartenabrechnung explizit zu, schreibt Hotelleriesuisse. Die Kantone würden diese Bestimmung jedoch teilweise sehr restriktiv anwenden, was zu einer systematischen Diskriminierung der Branche führe. «Hotelleriesuisse verlangt eine umgehende Korrektur, indem der Bund die Regelung in der ganzen Schweiz zwingend durchsetzt», sagt Züllig. Zudem sollen Hotelrestaurants von erleichterten Anspruchskriterien bei Härtefällen profitieren.

«Badrutt's Palace Hotel» stellt Betrieb ein

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Das «Badrutt's Palace Hotel» hat entschieden seine Tore bis auf Weiteres zu schliessen. Im Hotel wurde kürzlich eine gehäufte Ausbreitung des mutierten Coronavirus festgestellt. Daraufhin wurde das Haus unter Quarantäne gestellt.

Diese Quarantänesituation und deren mediale Wirkung hätten zu Verunsicherungen bei Gästen und potenziellen Hotelbesuchern geführt, heisst es in einer Mitteilung. Die daraus resultierende Buchungslage würde es nicht zulassen, den Hotelbetrieb weiterhin aufrecht zu erhalten. Dieser wird deshalb ab 28. Januar vorerst eingestellt. (red)

Ungenügende Unterstützung

Hotelleriesuisse beklagt sich ausserdem über mangelnde Unterstützung in der Krise. Seit Monaten fordere der Branchenverband, dass die Unterstützung endlich auch für die Hotellerie im Gleichschritt mit den Schutzmassnahmen ausgebaut werden müsse.

Im Vergleich zu anderen Branchen habe die Politik der Beherbergungswirtschaft nur unzureichend unter die Arme gegriffen. Dies, obwohl die Hotellerie als systemrelevanter Pfeiler des Tourismusstandorts wichtige Funktionen übernehme, Arbeitgeberin von Tausenden von Beschäftigen sei und grosse Beiträge an die Landesversorgung leiste.

Keine schärferen Reisebestimmungen

Dezidiert äussert sich Hotelleriesuisse auch gegen eine weitere Verschärfung von Einreisebestimmungen und Quarantäneregelungen. Eine Zwangsquarantäne von fünf Tagen bei einer Einreise würde zu einem Totaleinbruch von Buchungen ausländischer Gäste führen, ist Züllig überzeugt. Ein solcher würde möglicherweise bis weit in die Sommersaison nachwirken.

Sollten dennoch solche Mittel ergriffen werden, müssten finanzielle Unterstützungsmassnahmen im Gleichschritt ausgebaut werden. Ein verschärftes Grenzregime, wie es verschiedene Parteipräsidentinnen und Präsidenten am vergangenen Wochenende vorgeschlagen hatten, hätte im ersten Quartal des laufenden Jahres zusätzliche Verluste in der Höhe von 200 bis 370 Millionen Franken zur Folge, ist Hotelleriesuisse überzeugt. «Diese Verluste müssten Bund und Kantone kompensieren», fordert Züllig weiter.

Schliesslich fordert der Branchenverband der Hotellerie parallel zur laufenden Impfkampagne einen massiven Ausbau der Testkapazitäten. Um Übertragungsketten nachhaltig zu unterbrechen, müssten zwingend flächendeckende und wiederholte Tests ermöglicht werden. Gäste und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Hotellerie sollen sich unkompliziert und kostenlos in der Schweiz testen lassen können. Damit könnten kontrollierte Öffnungen ermöglicht werden, bis die Bevölkerung im In- und Ausland durchgeimpft sei.