Neue Studie des Graubündnerischen Baumeisterverbands und BAK Economics

Baubranche rechnet mit geringem Wachstum

Die Bündner Bauwirtschaft rechnet im Zeitraum 2020 bis 2024 nur mit einem geringen Anstieg der Bauausgaben. Das zeigt eine Studie, die BAK Economics im Auftrag des Graubünderischen Baumeisterverbands (GBV) erstellt hat.

Von Redaktion GRimpuls Fr, 29.11.2019

Das durchschnittliche jährliche Investitionsvolumen dürfte gegenüber dem Zeitraum 2015 bis 2019 um 0,4 Prozent steigen, kommt die Studie zum Schluss. Dieser leichte Anstieg sei dem Tiefbau zu verdanken. Die öffentliche Hand und die Rhätische Bahn  würden kontinuierlich in zahlreiche Strassen-, Schienen- und Tunnelbauprojekte in Graubünden investieren.

Allerdings zeigen sich regional grosse Unterschiede. Während vor allem das Tiefbauvolumen in der Region Landquart aufgrund des Umbaus des Bahnhofs Landquart deutlich zunehmen wird, sinkt in der Region Maloja das Tiefbauvolumen gegenüber dem Zeitraum 2015 bis 2019. Grund dafür sei, dass die Arbeiten am Albula-Tunnel zwar noch andauern würden, aber nicht mehr ganz so umfangreich ausfallen würden wie in den letzten Jahren. Zum anderen werde auch das Grossprojekt ARA in S-chanf bald fertiggestellt sein, kommt die Studie zum Schluss.

Grafik Bauinvestitionen 2020 bis 2024 in Relation zu 2015 bis 2019

 

Herausfordernd bleibt das Umfeld im Wohnbau. Zwar sei die Redimensionierung durch die Zweitwohnungsinitiative abgeschlossen, doch neue Zweitwohnungen können weiterhin den meisten Gemeinden nicht gebaut werden. Zudem trüben die in Regionen wie Maloja und Mosel gestiegenen Leerstände den Ausblick.

In den Regionen Landquart, Plessur und Imboden ist dagegen mit steigenden Wohnbauinvestitionen zu rechnen, da die Bevölkerung wächst, die Finanzierungsbedingungen attraktivbleiben und auch die Leerstände in diesen Regionen noch moderat sind. Insgesamt rechnet die Studie mit tieferen Wohnbauinvestitionen im Prognosezeitraum als in den Jahren 2015 bis 2019.

Schwerpunkt Raumplanungsgesetz und energieeffizientes Bauen

Im Rahmen der Studie untersuchte BAK Economics auch die Auswirkungen auf die Bündner Baubranche im Zusammenhang mit der Energiestrategie 2050 sowie dem revidierten Raumplanungsgesetz. Das grösste Potential für Energieeinsparungen sieht die Studie im Gebäudebestand.

Der Anteil an Minergie-Gebäuden am Gesamtgebäudebestand liegt in Graubünden bei 1,5 Prozent gegenüber zwei Prozent in der Schweiz. Viele der älteren Gebäude in Graubünden werden noch mit fossilen Brennstoffen geheizt. Der Anteil von Öl-, Gas- und Elektroheizungen betrug 2015 in Graubünden rund 61 Prozent, jener von Holz/Pellet, Fernwärme, Wärmepumpen und Sonnenkollektoren lag lediglich bei 38 Prozent. Somit bestehe in Graubünden grosses Potenzial für energetische Sanierungen.

Im Zusammenhang mit der Umsetzung des revidierten Raumplanungsgesetzes zeigt die Studie, wo in Zukunft neues Bauland eingezogt werden muss und wo die Bauzonen überdimensioniert sind. So sind in den Regionen Imboden, Landquart und Blessur die Kapazitätsreserven deutlich kleiner als der bis 20340 zu erwartende zusätzliche Bedarf an Wohnraum.

In den Regionen Viamala und Bernina liegen die Kapazitätsreserve und der Bedarf relativ nahe beieinander. In allen anderen Regionen seien dagegen die Wohn-, Misch- und Zentrumszonen klar überdimensioniert. Somit seien in vielen Gemeinden dieser Regionen Auszonungen notewendig. Für die Bauwirtschaft bedeutet dies, dass es in diesen Gemeinden künftig weniger Neueinzonungen geben wird. Stattdessen werde der Stellenwert des verdichteten Bauens zunehmen.

 

Grafik Bedarfsprognose 2030

Die vollständige Studie von BAK Economics kann beim Graubünderischen Baumeisterverband oder dem Amt für Wirtschaft und Tourismus Graubünden bezogen werden.