Flugbewegungen sollen nicht erhöht werden

Aus Samedan wird kein Altenrhein oder Innsbruck

Mit dem geplanten Ausbau des Flughafens in Samedan tun sich für die Flughafenbetreiberin Engadin Airport AG neue Möglichkeiten auf – so auch im Charterflugbetrieb. Grosse Easy-Jet-Maschinen mit 150 Passagieren an Bord wird man in Samedan allerdings auch in Zukunft nicht sehen.

Von Franco Brunner Do, 10.10.2019

Von London, Hamburg oder Paris mit einem Charterflug direkt nach Samedan? Diese Idee schwirrt schon seit geraumer Zeit in verschiedenen Oberengadiner Köpfen umher. Eine Idee, die nun, mit dem bundesrätlichen Entscheid von Mitte September (siehe Kasten) wieder zusätzlichen Aufwind erhalten hat.

Denn dank dem Entscheid aus Bern kann der Regionalflughafen Samedan in den nächsten Jahren ausgebaut und modernisiert werden, was wiederum neue Möglichkeiten auftut. Doch ein eigentlicher «Charter-Flughafen» wie beispielsweise Altenrhein oder Innsbruck wird es in Samedan trotzdem nicht geben. 

«Wir wollen und können uns nicht mit solchen Flughäfen vergleichen, bei uns herrschen ganz andere Voraussetzungen», erklärt Martin Binkert, Chief Ground Service der Flughafenbetreiberin Engadin Airport AG. Schon alleine die geografischen Voraussetzungen mit den bereits kurz nach dem Flughafen beginnenden Gebirgsketten würden einen Start respektive eine Landung für grosse und dementsprechend schwere Chartermaschinen verunmöglichen. «Bei uns wird nie eine mit 150 Passagieren besetzte Easy-Jet-Maschine landen können», stellt Binkert klar.

Hangar Flughafen Samedan Terminal Flughafen Samedan

So könnten der Hangar und der Terminal des Flughafens Samedan dereinst aussehen. (Bilder zVg)

 

Neue Möglichkeiten

Trotzdem. Interessant sind die neuen Möglichkeiten, die sich eben beispielsweise mit der Einführung eines Flugbetriebs nach Instrumenten-Flugregeln (IFR) auftun werden, für den Regionalflughafen Samedan sehr wohl, wie Binkert weiter ausführt. Denn es gebe durchaus Charter-Maschinen mit einer Platzkapatizität von rund 80 Plätzen und diese Grössenordnung des kommerziellen Charterflugbetriebes sei in Samedan denkbar. 

Besonders an den Wochenenden könnte solch ein Charter-Betrieb interessant sein, führt Christian  Gorfer, Chief Financial Officer der Engadin Airport AG aus. Und ja, man sei auch bereits mit verschiedenen Fluggesellschaften in Kontakt, die Flieger mit maximal 80 Plätzen – wie beispielsweise eine Saab 2000, eine Dornier 328 oder ein Embraer 190 – in ihrer Flotte haben. 

Augenscheinlich mehr Flugbewegungen wird es in Samedan jedoch auch nach dem Flughafen-Ausbau und nach einer allfälligen Einführung eines kommerziellen Charterflugbetriebs nicht geben, wie Martin Binkert versichert. «Wir bewegen uns aktuell bei rund 15’000 Flugbewegungen pro Jahr», sagt der Chief Ground Services. Eine Zahl, die sich aller Voraussicht nach auch in Zukunft ungefähr im gleichen Rahmen bewegen werde. Was sich derweil ändern könnte, sei die Passagieranzahl. Denn wenn kleinere Charterflüge möglich werden würden, könne man mehr Gäste pro Flug ins und aus dem Oberengadin befördern. Ein Umstand, der zusätzliche Wertschöpfung für das ganze Tal und sogar noch darüber hinaus generieren könne.

Bewährter Privat-Jet-Betrieb

Bis diese Verhandlungen über kommerzielle Charterflug-Varianten aber abgeschlossen sein werden, verkehren auf dem Flughafen Samedan – was den «touristischen Verkehr» anbelangt – nach wie vor in erster Linie die sogenannten Privat-Charter-Flüge. Will heissen, Flüge von meist etwas kleineren Privatjets, die eben jeweils nicht kommerziell, sondern privat gebucht respektive gechartert werden. Und natürlich werden auch weiterhin die Ballonfahrer, Segelflieger, Sportflieger und Helikopter-Einsätze über den Flughafen Samedan laufen.

Ein wichtiger Schritt

In seiner Sitzung vom 13. September 2019 hat der Bundesrat das Objektblatt des Sachplans Infrastruktur Luftfahrt (SIL) für den Regionalflugplatz Samedan verabschiedet. Damit wird das Objektblatt von 2002 ersetzt und der raumplanerische Rahmen für die langfristige Entwicklung des Flugplatzes festgelegt.

Das bedeutet, dass die Infrastrukturunternehmung Regionalflughafen Samedan (selbständige öffentlich-rechtliche Anstalt der Oberengadiner Gemeinden) ihre Ausbau- und Modernisierungspläne in die Tat umsetzen und so den sich in den vergangenen Jahren stark veränderten Anforderungen an die Infrastruktur und an den Betrieb Rechnung tragen kann.

In einem ersten Schritt ist per 5. Dezember 2019 die Einführung eines Flugbetriebs nach Instrumenten-Flugregeln (IFR) vorgesehen. Ein gemäss Christian Gorfer, Chief Financial Officer der Engadin Airport AG, «wichtiger Schritt für den Flugplatz». Ein Schritt, mit dem die Reise ins Oberengadin für die Flugplatz-Kunden planbarer und nicht zuletzt auch nochmals sicherer wird. Ein Umstand, der für die gesamte Region und schlussendlich auch für den Kanton Graubünden zusätzliche Wertschöpfung generieren werde, ist sich Gorfer sicher. (fbr)