So nützen die Finanzhilfen den Bündner Unternehmen

Arbeitsstellen erhalten und Liquidität sichern

Von Redaktion GRimpuls Mo, 27.04.2020

Mit einem umfassenden Massnahmenpaket in der Höhe von über 60 Milliarden Franken, versucht der Bundesrat die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise abzufedern. Zusätzlich dazu stellen die Bündner Regierung 80 Millionen und die Graubündner Kantonalbank noch einmal 200 Millionen Franken für die Bündner Wirtschaft bereit. «GRimpuls» hat bei GKB-CEO Daniel Fust nachgefragt, wie die Finanzhilfen den Bündner Unternehmen helfen.

Wieso sind diese Kredite in der jetzigen Lage für die Bündner Wirtschaft so wichtig?
Daniel Fust: Das Programm ist volkswirtschaftlich ausserordentlich wichtig, effizient und effektiv. Aus der Perspektive der KMU ist die Lage sehr ernst, weil ein Liquiditätsproblem stets das unmittelbarste Risiko für eine Firma darstellt. Es war deshalb von absolut zentraler Bedeutung, dass der Bundesrat sein Hilfsprogramm gleich mit der Sicherung der Liquidität der Unternehmen begonnen hat, zumal die Fixkosten der Firmen auch während des Stillstands anfallen. Langfristig geht es darum, Arbeitsstellenverlust und Innovationsstopps vorzubeugen.

Wie gross ist die Betroffenheit der Bündner Wirtschaft?
Im Vergleich zur Schweiz ist Graubünden aufgrund der starken Tourismusexponierung weit überdurchschnittlich betroffen. Mit Problemen konfrontiert sind primär der Tourismus, die Gastronomie und der Detailhandel, gefolgt vom Gewerbe. Auf schätzungsweise fast die Hälfte der Stellen in Graubünden wirkt sich die Coronakrise durch Kurzarbeit besonders stark aus.
In einem U-Szenario mit einem heftigen Einbruch von März bis Juni und einer Erholungsphase von Juli bis Dezember dieses Jahres gehen Schätzungen davon aus, dass ein kumulierter Bruttowertschöpfungsverlust über zwölf Monate von rund einer Milliarde Franken entstehen wird.

Daniel Fust, CEO der Graubündner Kantonalbank. (Bild zVg)

 

Wie gehen die Bündner Unternehmen mit der Krise um?
Obwohl die Lage in wirtschaftlicher Hinsicht instabil ist, sorgen viele Unternehmerinnen und Unternehmer mit Einfallsreichtum und kreativen Angeboten dafür, dass die Wirtschaftsleistung nicht ganz in den Keller fährt. Zwar können sie damit bei Weitem nicht jene Einnahmen wettmachen, die ihnen momentan entgehen. Das Ganze zeigt aber, dass die Bündnerinnen und Bündner in der Krise zusammenstehen und gewillt sind, die Wirtschaft nicht in eine vollkommene Lethargie abgleiten zu lassen.

Wie steht die GKB zu den Bundeskrediten?
Das Hilfspaket des Bundes ist einzigartig in der Wirtschaftsgeschichte. Wir stehen zu 100 Prozent hinter dem Programm. So lassen sich die Pandemie-Konsequenzen für uns alle gemeinsam mit aller Kraft abfedern. Es geht kurzfristig um den Erhalt der Liquidität unserer Unternehmen und damit mittelfristig um Vermeidung von Konkursen und daraus folgendem Stellenabbau. Es ist erwähnenswert, mit welcher Einfachheit das Programm auf die Beine gestellt wurde. In kürzester Zeit können wir als Finanzinstitute 600 000 Firmen in der Schweiz, die potenziell infrage kommen, mit Liquidität versorgen. Mit wenigen Klicks kommt ein betroffenes KMU zu den ersten 500 000 Franken Soforthilfe.

Welche Rolle nimmt die GKB beim nationalen und kantonalen Hilfsprogramm ein?
Wir nehmen die Rolle als unkomplizierte und entlastende Abwicklerin der Bundes- und Kantonshilfen bezüglich Liquidität ein und sind überzeugt, dass sich die Situation mit vereinten Kräften entschärfen und abfedern lässt. Wir werden alles daran setzen, Kundinnen und Kunden individuell bestmöglich zu unterstützen.

Die GKB bietet weitere Unterstützung über die Bundes- und Kantonshilfe an. Wie sieht diese aus?

Die bereits lancierte und für Graubünden via Taskforce mitgeprägte KMU-Liquiditätshilfe von Bund und Kanton ermöglichen in Kombination neu Überbrückungskredite von bis zu 25 Prozent des Jahresumsatzes. Wir sehen als GKB nun weitere 200 Millionen Franken vor, um Unternehmen zu helfen, wenn die staatliche Hilfe trotz unverschuldeter finanzieller Notsituation und gesundem Geschäftsmodell nicht ausreicht.
Wir bieten Unterstützung in Form von 

  • Finanzierungen ergänzend zu den Hilfen der öffentlichen Hand.
  • Grosses Bedürfnis sehen wir in umfassenden Amortisationserlässen, welche wir sehr unkompliziert handhaben.
  • Eigene Risikoübernahme bei grösseren Bundeskrediten.

Ein KMU kann von diesen Unterstützungsmassnahmen profitieren, wenn das Unternehmen trotz gesundem Geschäftsmodell unverschuldet in die finanzielle Notsituation geraten ist. Bei der Gewährung von zusätzlichen Bankkrediten sollten die Mittel von Bund und Kanton ausgeschöpft sein oder aus einem bestimmten Grund nicht zu Verfügung stehen.

Werden diese 200 Millionen Franken ausreichen?
Das hängt in erster Linie davon ab, wie lange die Krise andauern wird. Wir sind selbstverständlich bereit, diesen Posten bei Bedarf aufzustocken. Ein grosser Teil dieses Geldes umfasst den Erlass von Kreditrückzahlungen (Amortisationen). Die Amortisation spielt bei der Sicherung der Liquidität eine zentrale Rolle. Fällt die Kreditrückzahlung weg, erhöht sich automatisch die Liquidität einer Firma für eine gewisse Zeit.

Wie viele KMU zählt die GKB und wie gross ist das Kreditportfolio?
Wir haben rund 9500 KMU-Kunden mit einem Kreditportfolio von sechs Milliarden Franken.

Was bietet die GKB darüber hinaus?
Wir haben über den GKB-Beitragsfonds auch in diesem Jahr bereits zahlreiche Veranstaltungen unterstützt. Viele dieser Aktivitäten sind von der Pandemie betroffen, müssen ausfallen oder verschoben werden. Deshalb sichern wir bei abgesagten oder verschobenen Aktivitäten eine umgehende Beteiligung an aufgelaufenen Kosten bis maximal zur gesprochenen Betragshöhe zu, wo keine entsprechende staatliche Entschädigung vorgesehen ist. Weiter passen wir unsere 150-Jahr-Jubiläumsaktivitäten an. Wir investieren finanzielle Mittel, die für Jubiläumsprojekte vorgesehen waren, verstärkt in bereits bestehende gemeinnützig orientierte Projektmodule, die im laufenden Jahr besonders an Bedeutung gewinnen. Dabei handelt es sich um Initiativen, die Hand bieten zur Abfederung der Corona-Konsequenzen in Graubünden.