Späne aus der Denkwerkstatt

In 20 Minuten von Chur nach St. Moritz

Der Job wechselt, der Wohnort bleibt: Schweizerinnen und Schweizer sind oft in ihrer Wohngemeinde stark verwurzelt. Das birgt Chancen für Graubünden als Wohnregion – aber nur, wenn die Pendelmöglichkeiten verbessert werden. Wir präsentieren visionäre Ideen, wie durch eine Verkürzung der Arbeitswege im Dreieck Chur-Davos-Oberengadin ein Quantensprung für Graubünden er-reicht werden könnte.

Von Wirtschaftsforum Graubünden

Die Heimat- und Wohngemeinde lässt viele Schweizerinnen und Schweizer niemals richtig los. Und das stimmt erst recht für Bündnerinnen und Bündner: Der berühmte Heimwehbündner aus der Werbung, der verloren am nebligen Züricher Bellevue steht und melancholisch an die sonnigen Bündner Berge denkt, würde seinen Lebensmittelpunkt nur zu gerne zurück nach Graubünden verlegen.

Doch die beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten im Unterland sind verlockend. Das Berggebiet kann da nicht mithalten; Jobs für Hochqualifizierte sind rar. Doch es gibt Hoffnung. Was wäre, wenn die Bündner Täler verkehrstechnisch besser erschlossen und mehr Arbeitsstellen in Pendeldistanz rücken würden?

Wohnregionen, die ihren Einwohnern viele Optionen für Pendelwege zu den Arbeitszentren bieten, sind gefragt. Wenn Graubünden als Wohnregion attraktiver werden will, müssen die Regionen folglich bessere Pendelanbindungen bieten. Mit den 150 Tälern und noch viel mehr Bergen ist das aber einfacher gesagt als getan: Zwar üben die drei Zentren Bündner Rheintal, Davos und Oberengadin eine Magnetwirkung auf Arbeitskräfte aus. Das Pendeln zwischen diesen Zentren ist wegen der langen Reisezeit praktisch nicht möglich.

Gefordert ist also eine deutliche Verkürzung der Reisezeiten im Dreieck Bündner Rheintal – Davos – Oberengadin auf unter eine Stunde Reisezeit. Um diesen Quantensprung zu erreichen, werden neue Verkehrswege nötig. Wir präsentieren vier konkrete Visionen, wie dieses Ziel dereinst Realität werden könnte:

Quelle: Darstellung des Wirtschaftsforums Graubünden auf Basis von IG AlpTrain – Töffli & Partner / Ecoplan / Amberg, Projekt AlpTrain (5. April 2016 und 6. Februar 2018

 

AlpTrain (violette Linienführung)

Eine Normalspureisenbahn von Chur via Davos ins Oberengadin könnte die Reisezeit zwischen den drei grossen Siedlungsräumen Bündner Rheintal, Davos und Oberengadin drastisch verringern. In 41 Minuten vom Oberengadin ins Bündner Rheintal wäre möglich. Wohnen im Engadin (oder in Davos) und Arbeiten in Chur (und umgekehrt) wäre kein Problem mehr und die Wohnattraktivität aller drei Siedlungsräume würde gestärkt. 

Schnellstrassenverbindung (rote Linienführung)

Die Achse Chur – Davos – Oberengadin könnte auch mit einer neuen Schnellstrasse erschlossen werden. Diese Variante würde dieselbe starke Verringerung der Reisezeiten zwischen den drei grossen Bündner Siedlungsräumen bringen wie der AlpTrain. Im Unterschied dazu würde die schnelle Verbindung für Autos auch rasche, umsteigefreie Verbindungen von Tür zu Tür gewährleisten und das Pendeln wäre ohne Einschränkungen durch einen Fahrplan möglich. Auch Orte und Täler zwischen den grössten Zentren (Arosa sowie Filisur / Bergün und bei Bedarf Tiefencastel) könnten von der Verkehrsverbindung profitieren.

Engadintunnel (blaue Linienführung)

Egal wie man die Bündner Zentren verkehrstechnisch besser verbinden will: Es handelt sich um gewaltige Investitionsprojekte. Deshalb solllten für die Realisierung des Verkehrssystems 2050 Plus auch Etappierungsmöglichkeiten im Auge behalten werden. Eine prüfenswerte, erste Etappe könnte die Umsetzung des Engadintunnels inkl. eines Ausbaus der Strasse von Tiefencastel bis zum nördlichen Tunneleingang unterhalb von Bergün darstellen. Sie würde eine Verringerung der Reisezeiten zwischen dem Oberengadin und dem Bündner Rheintal um rund 30 Minuten auf etwa 60 Minuten ergeben. Die beiden Siedlungsschwerpunkte würden damit in Pendlerdistanz zueinander liegen.

Kombi Schiene-Strasse (grüne und blaue Linienführung)

Im Kern dieser Idee steht die Abstimmung von Schiene und Strasse: Die Verlängerung der SBB-Normalspur bis Thusis in Kombination mit einer Schnellstrasse von Tiefencastel über Filisur - Bergün und durch einen neuen „Engadintunnel“ ins Oberengadin. Wird die neue SBB-Verbindung zwischen Chur und Thusis ohne Zwischenhalte geplant, so würde eine Linienführung mit wesentlich höheren Geschwindigkeiten als auf der heutigen RhB-Strecke mit einem Zeitgewinn von bis zu 20 Minuten möglich. Die Zeitersparnis dank der Schnellstrassenverbindung zwischen Tiefencastel und Bever würde das Oberengadin um rund 45 bis 50 Minuten näher an Chur rücken. Nicht nur das Oberengadin und der Raum Chur, sondern insbesondere auch das Domleschg würden als Wohn- und Arbeitsorte gestärkt.

Was ist Ihre Meinung zu diesen Ideen?

Dieser Text basiert auf dem Bericht «Alptraum» des Wirtschaftsforums Graubünden.