Späne aus der Denkwerkstatt

1200 Bundesarbeitsplätze für Graubünden

Der Bund ist einer der grössten Arbeitgeber der Schweiz. Ausgerechnet im benachteiligten Berggebiet sind aber nur sehr wenige dieser Bundessstellen angesiedelt. Dank der Digitalisierung könnte sich dies ändern.

Von Wirtschaftsforum Graubünden Di, 15.10.2019

Der Bund ist als Arbeitgeber ein Riese: rund 170'000 Arbeitsplätze wurden 2016 über die Bundesverwaltung, die öffentlich-rechtlichen Anstalten des Bundes (z.B. ETH) und über bundesnahe Betriebe (z.B. Swisscom, RUAG, Post) angeboten. Diese Arbeitsplätze sind heute stark auf die Region Bern konzentriert und damit sehr ungleich auf die verschiedenen Kantone verteilt – und das nicht gerade zum Vorteil der Berggebiete. 

Der Kanton Graubünden ist mit seinen rund 3'000 Mitarbeitenden einer der ganz grossen, lokalen Arbeitgeber. Doch auch er konzentriert den Grossteil seiner Stellen in der Kantonshauptstadt Chur. Die Bündner Täler profitieren heute also noch kaum von den Arbeitsstellen der öffentlichen Hand.

Digitalisierung als Chance

Während die Konzentration von Stellen in einer Stadt oder Region bisher mit logistischen Gründen erklärt wurde, zieht diese Argumentation im Zeitalter der Digitalisierung nicht mehr. IT-Systeme machen die Arbeit ortsunabhängig möglich; Kommunikationstechnologien sorgen für einen persönlichen Austausch über Täler und Berge hinweg.

Wer das für visionäre Zukunftsmusik hält, muss sich mit Blick nach Nordeuropa eines Besseren belehren lassen: Dänemark verfolgt aktuell seine fünfte Digitalstrategie in der öffentlichen Verwaltung, die darauf abzielt, alle Prozesse elektronisch zu gestalten. Damit wird es auch möglich, ortsunabhängige Arbeitsplätze zu schaffen und die Stellen der öffentlichen Verwaltung dem Wohnort der Arbeitnehmenden anzupassen. Damit können Verwaltungsstellen in dezentralen Strukturen angeboten werden.

Wie viele Bundesstellen sind gerecht?

Graubünden trägt gut zwei Prozent zum BIP der Schweiz bei und stellt etwas mehr als zwei Prozent der Bevölkerung der Schweiz (2016). Der Anteil Graubündens am Total der Stellen in der Bundesverwaltung, den öffentlich-rechtlichen Anstalten des Bundes und den bundesnahen Betrieben lag 2016 hingegen nur bei etwa 1.3 Prozent, was rund 2‘200 Stellen entspricht. Eine Erhöhung des Anteils des Kantons Graubünden auf ein adäquates Niveau von zwei Prozent erfordert circa 1‘200 zusätzliche Bundesarbeitsstellen im Kanton Graubünden.

Anteil Bundesstellen in Graubünden (2016)

Quelle: Wirtschaftsforum Graubünden, basierend auf Daten des Eidg. Personalamtes (EPA)

 

Es geht aber nicht nur um die reine Quantität an Stellen: Was die Biodiversität in der Natur, ist die Jobvielfalt auf dem Arbeitsmarkt. Die Attraktivität von Graubünden als Ort, wo man spannenden Arbeitsstellen in verschiedenen Bereichen auch ausserhalb des Tourismus vorfindet, könnte durch mehr Bundesstellen erhöht werden.

Mehr zu dieser und weiteren Ideen, wie das Bündner Berggebiet gestärkt werden kann, finden Sie im Bericht «Alptraum» des Wirtschaftsforums Graubünden. Die ausführliche Dokumentation steht zum kostenlosen Download zur Verfügung.